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Gewerkschaftskooperation

Die Gewerkschaften spielen eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung partizipatorischer Arbeitsbeziehungen. Die gewerkschaftliche Vertretung von Arbeitnehmerinteressen ist in Russland allerdings bislang sowohl auf nationaler als auch auf betrieblicher Ebene nur nach Mitgliederzahlen stark..

Wir befassen uns als einzige von den deutschen in der Russländischen Föderation tätigen Stiftungen mit Fragen der Gewerkschaftsbewegung. Dies ergibt sich aus der Tradition sozialdemokratischer Politik. Eines unserer Anliegen ist es, die Arbeit der Gewerkschaften mit unseren Erfahrungen bei der Ausgestaltung sozialer und demokratischer Ziele sowie bei der Realisierung dieser Ziele zu begleiten. Wir fördern vor allem die Arbeit von Branchengewerkschaften. Wir pflegen die möglichst enge Zusammenarbeit der russischen und deutschen Gewerkschaftskollegen.

Beratung erfolgt hier in zahlreichen gewerkschaftlichen Handlungsfeldern, so zu Fragen der Sozialpartnerschaft, der individuellen und kollektiven Interessenvertretung, des Arbeitsrechts, des Tarifvertragswesens sowie der Gleichstellungs- und der Tarifpolitik. Dies geschieht häufig in Form von Ausbildungsseminaren. Aber auch Fragen des Verhältnisses von Gewerkschaften und Politik, der gewerkschaftlichen Interessenvertretung und der Ausbildung von gewerkschaftlichem Führungspersonal werden behandelt. So organisieren wir Konferenzen mit, die sich mit der Stellung der Gewerkschaften zu Themen wie Demokratie, Globalisierung oder der Entwicklung bestimmter Branchen in Russland befassen.

Fragen der Internationalisierung von Wirtschaftsbeziehungen gewinnen auch in Russland zunehmend an Bedeutung. Mit unserer Arbeit tragen wir dazu bei, dass sich die Gewerkschaften mit eigenen Positionen in die Globalisierungsdebatte einbringen. Durch die Unterstützung der Begegnung deutscher und russischer Gewerkschafter erhalten die Beteiligten zudem die Möglichkeit, aus den Erfahrungen in anderen Ländern zu lernen.

Der 3. Weltkongress des IGB ist Geschichte

 

Der 3. Weltkongress des IGB ist Geschichte. 788 Delegierte in 262 Delegationen aus 135 Ländern und 120 Millionen Mitglieder repräsentierend waren für eine Woche in Berlin, um gemäß dem Motto „Building Workers Power“ dem globalen Finanzkapital, neoliberalen Politiken der Regierungen und zunehmender Ungleichheit den Kampf anzusagen.

In einem aktionsorienten Kongress wurden die Themenblöcke  Gewerkschaftswachstum,  Arbeitsplätze-Einkommenssicherheit-Sozialschutz sowie Gewerkschaftsrechte in Subplenen diskutiert und Aktionspläne verabschiedet, die dem Handeln des IGB und seiner Mitglieder Orientierung verleihen sollen. Dass der IGB nicht nur mit sich selbst beschäftigt ist, zeigten Kampagnenaktionen  (Klimaschutz, Qatar) und eine Demonstrationen gegen das gewerkschaftsfeindliche Gebaren der Deutschen Telekom im Ausland (Wir erwarten Besseres!) vor der Konzernrepräsentanz in der Berliner Innenstadt.

Unter dem Eindruck der post-Krisenpolitiken der Regierungen (Austerität, Angriff auf Arbeitnehmerrechte) war der Ton des Kongresses ein kämpferischer („We are the voice of opposition and progress!“ (Sharan Burrow), „Gewerkschaften sind das stärkste, das die Schwachen haben!" (Michael Sommer)). So erging der Aufruf, dem globalen Kapital entgegenzutreten und:

-          eigene Macht aufzubauen: Fokus auf Steigerung der Mitgliederzahlen (Ziel: 20 Millionen Neumitglieder) und Ausweitung der Mitgliederstruktur (informell Beschäftigte), Anwendung einer Vielfalt von Instrumenten wie organising, campaigning (Qatar), Aufbau regionaler und globaler Netzwerke, Verhandlungen mit TNU, Allianzbildung mit progressiven Kräften;

-          die politische Auseinandersetzung zu suchen: für die Schaffung guter Arbeit auf der Grundlage eines globalen Rechtsrahmens ; dem Finanzkapital Fesseln anlegen und Investorenschutz stoppen; gegen Austerität und für Investitionen in (soziale) Infrastrukturen;  dem Klimawandel begegnen (Klimaabkommen und just transition in die nachhaltige Wirtschaft),  in der Entwicklungsdebatte mitzumischen und u.a. Gute Arbeit und Sozialschutz in den UN Social Develoment Goals zu verankern ;

-          die Rechte von Arbeitnehmer_innen weltweit zu fördern: Wanderarbeiter_innen und Hausangestellte organisieren, Arbeitsschutz verbessern (5500 Arbeitsunfallstote pro Tag), Gewalt gegen Frauen beenden, die Prekarisierung der Arbeit stoppen, Kampagnen in 10 Zielländern (countries at risk) durchzuführen.

Die entsprechenden Entschließungen sind zu finden unter

Der Internationale Gewerkschaftsbund wird 8 Jahre nach seiner Gründung als zusammengewachsene Organisation empfunden, die Vereinigung sei geglückt. Die Rolle des globalen Südens wurde durch die Wahl des brasilianischen Präsidenten Joao Felicio/CUT („Freiheit und Demokratie sind eng mit Lebensbedingungen verknüpft“) gestärkt. Ihm zur Seite stehen Karl-Petter Thorwaldsson (Schweden – LO) sowie Maria F. Carvalho Francisco (Angola – UNTA-CS) als Vizepräsident_in.  Die Generalsekretärin fand für ihre Agenda einen hohen Zuspruch (87% für Sharan Burrow gegenüber Jim Baker). Michael Sommer wurde mit viel Applaus und mit Hinweis auf seine politsche Rolle (FIFA-Qatar) und Führungsqualitäten verabschiedet.

Unzufriedenheit herrschte lediglich über den gesunkenen Frauenanteil von 42% der Delegierten (von 27% Europa (!) bis 43% Afrika). Die Kampagne „ Count us in!“ soll dem immer noch als zu niedrig empfundenen Anteil von Frauen in gewerkschaftlichen Führungspositionen Abhilfe  schaffen. Das Ziel lautet 30%. Schließlich traten auch die jungen Delegierten (19%) regelmäßig in Erscheinung, am Rande des Kongresses bei Demonstrationen und bootcamps sowie am Ende des Kongresses mit den Forderungen, eine stärkere Rolle in den Gewerkschaften zu spielen und für eine Politik für die nachwachsenden Generationen.

Schließlich wurden Dringlichkeitsresolutionen zu Türkei (Bergbauunglück) sowie Ukraine/ Russland ( Frieden!, von ukrainischen und russischen GW getragen) verabschiedet, und der Kongress fand mit den Worten Sharan Burrows „Take back our democracy!“ einen würdigen Abschluss.

Das Experiment eines papierlosen, beteiligungsorientierten Kongresses ist aufgegangen, der IGB hat sich als moderne, weitgehend geschlossene, aktionsorientierte Kraft präsentiert. Man darf gespannt sein auf das Funktionieren des Tandems Felicio-Burrow, die Impulse der erstarkten lateinamerikanischen Gewerkschaftsbewegung sowie das Zusammenspiel des IGB mit den Global Union Federations, insbesondere bei der Koordinierung von übergreifenden Kampagnen (Play Fair!).

 

 

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