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Juli 2014

Geteilte Erinnerung Der Erste Weltkrieg in Mittel- und Osteuropa

Drei Perspektiven aus Deutschland, Polen und Russland beleuchten die Relevanz des Ersten Weltkriegs für die heutige Erinnerungskultur und Politik in Mittel- und Osteuropa.

Nicht erst in jüngster Zeit, so Klaus Wiegrefe, wird der Erste Weltkrieg und die ihn auslösende Juli-Krise zur Analogiebildung in ganz unterschiedlichen politischen Krisen herangezogen: Ob Kuba 1962, Afghanistan 1980 oder die Ukraine 2014 – der beliebte Rückgriff auf den Juli 1914 zeigt, dass die komplexen historischen Ereignisse unterschiedliche Deutungen und Instrumentalisierungen zulassen. Zudem scheint die unterschwellige Angst vor einem neuen großen Krieg 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs überraschend verbreitet.

In Ostmitteleuropa ist der Erste Weltkrieg weitgehend aus der öffentlichen Erinnerung verdrängt, obwohl die Opferzahlen an der Ost- mit denen an der Westfront vergleichbar sind. Gründe dafür nennt Krzystof Ruchniewicz: Nicht nur die Überlagerung durch den für die Region besonders verheerenden Zweiten, sondern auch das positive Moment der nationalen Befreiung für Polen und Tschechen als Folge des Ersten Weltkriegs führten zu einer deutlich anderen gesellschaftlichen Erinnerung.

West- und Osteuropa haben aus der Geschichte des Ersten Weltkriegs grundlegend
andere Lehren gezogen, argumentiert der russische Historiker Andrej Subow: Während Westeuropa 1945 die Fehler von Versailles 1918 nicht wiederholte und die Besiegten in die Nachkriegsordnung einband, unterblieb ein ähnlicher Schritt im sowjetischen Machtbereich. Frieden in Europa lässt sich nur dauerhaft sichern, wenn auch die Nachfolgestaaten der Sowjetunion in das gemeinsame Europa integriert werden.

 

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