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19.06.2010 - Junge Wolgograder in Deutschland

Mitte Juni brachte die FES eine kleine Gruppe engagierter Absolventen der Wolgograder „Schule für Regionale Elite“ nach Deutschland. Die Studierenden und NachwuchspolitikerInnen haben sich in Berlin und Köln über Jugendpolitik und Einflussmöglichkeiten der Jugend vor allem auf kommunaler und regionaler Ebene informiert.



Die Schule für Regionale Elite wurde mit Unterstützung der FES an der Wolgograder Akademie des öffentlichen Dienstes eingerichtet. Auch wenn der Name etwas irritieren mag, handelt es sich keineswegs um eine elitäre Bildungsanstalt: im Gegenteil, die Schule ist ein Bildungszentrum, das für alle Interessenten offen ist und ihnen kostenlos politische Bildung anbietet.

Die jungen Menschen trafen sich mit Abgeordneten, Kommunalpolitikern, Vertretern von Jugendorganisationen, Experten aus der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Bundeszentrale für politische Bildung. Im Mittelpunkt des Interesses stand das Problem des Engagements der Jugendlichen – ein in Deutschland wie in Russland aktuelles Thema. Dabei klafften die Meinungen schon bei der Bewertung des heutigen Stands des Engagements der deutschen Jugendlichen auseinander: während die Vertreterin der Berliner Stadtverwaltung sich auf eine Studie berief, die ein hohes Engagement von rund einem Drittel der Jugendlichen – mit steigender Tendenz – feststellte, klagten Vertreter von verschiedenen Jugendorganisationen über Mitgliederschwund und allgemeine Politikverdrossenheit. Mit diesem Thema verbunden war die Frage, wie man Jugendliche zu politischem Engagement motiviert: ob zum Beispiel die Ausstellung von Zertifikaten zu einer freiwilligen Tätigkeit anspornen kann. Denn da in Russland die Tradition des Volontariats – wenn man die „erzwungen freiwilligen“ Aktivitäten der Sowjetzeit nicht dazurechnet- nicht lang ist, muss ein System der Anreize für Engagement erst entwickelt werden.

Aber vor allem ging es den Mitgliedern der Delegation darum, konkrete Projekte, die sich an Jugendliche richten, kennenzulernen. Sie wurden auch in aller Vielfalt von den Ansprechpartnern präsentiert – angefangen mit den von der FES entwickelten Jugendplanspielen über die „Hauptstadt der Kinder“ (ein Berliner Sommercamp, in dem Schüler eine eigene Stadt betreiben und verwalten können) bis zum Wahl-o-mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Dabei gab es auch Überschneidungen mit bereits in Wolgograd existierenden Projekten: so gibt es in Wolgograd z. B. Jugendparlamente und ein Projekt der „Politikerdoubles“, bei dem Jugendliche einen bestimmten „Paten“ im Kommunalparlament aussuchen und seine Rolle übernehmen. Nicht alle vorgestellte Projekte lassen sich in Wolgograd umsetzen, wenn man bedenkt, dass das Budget der Stadt nur 10% des Budgets der gleichgroßen Partnerstadt Köln beträgt. Trotz alledem flogen die Mitglieder der Delegation mit vollgeschriebenen Notizblöcken, einem Stapel von Informationsmaterialien und einer Menge von Ideen, die auf ihre Verwirklichung in Wolgograd warten, nach Hause.


net-edition: | 2010

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